Mittwoch, 17. September 2014

Wir haben ein Haus (Teil 1)

Der letzte Eintrag ist schon ein paar Tage her und heute komme ich endlich dazu, die große Neuigkeit zu berichten: wir haben ein Haus gekauft!
In der Tat, nach nicht mal 9 Monaten in den USA haben wir einen weiteren Schritt in Richtung "American Dream" wahr gemacht. Aber ganz von vorne....

Wir haben ja in Deutschland schon in einem schönen Haus gewohnt und daher war es immer unser Ziel und Wunsch, früher oder später auch in USA wieder ein eigenes Haus zu bewohnen.
Da Häuser kucken eines unserer Hobbys ist, wenn man so sagen will, haben wir auch relativ früh schon begonnen, uns mit dem lokalen Immobilienmarkt zu beschäftigen. 
Hier in Jacksonville gibt es ja sehr viele Bauprojekte wo man sich auch immer mal Musterhäuser etc. anschauen kann. Durch die vielen Gespräche mit Maklern haben wir zudem viel über den hiesigen Markt gelernt.
Für die meisten Familien in Jacksonville ist der Stadtteil Mandarin oder das etwas weiter südlich gelegene Saint John erste Wahl. Das liegt vor allem daran, dass es in St. Johns County das beste Schulsystem in Florida gibt. Zum anderen ist es sehr schön und praktisch gelegen. Nicht umsonst ist die Mastercommunity Nocatee die am 3. besten verkaufende Community der gesamten USA. Ihr seht, Jacksonville ist gefragt.

Natürlich kann man immer Objekte besichtigen und sich interessiert geben, aber ein wirklich ernster Interessent ist man erst dann, wenn man ein Mortgage preapproval in der Tasche hat. Das ist quasi eine Finanzierungszusage einer Bank. Diese entspricht noch keiner Kreditzusage, jedoch bestätigt sie, dass die Bank bereit ist Betrag X als Finanzierung zu vergeben, wenn alle Bedingungen erfüllt werden. Nachdem ich ja gerade angefangen hatte hier zu arbeiten war das unsere größte Sorge. Da ich ja als gestandener Baufinanzierer aus Germany durchaus bewusst war, dass wir in D niemals einem Einwanderer einen Kredit gewähren würden der gerade mal 2 Wochen einen neuen Job angefangen hat.

Dennoch habe ich mehrere pre-approvals bekommen, hauptsächlich aus dem Grund, da ich schon seit 7 Jahren für die selbe Firma arbeite. Dadurch (und nur dadurch) waren wir also in der Lage "shoppen" zu gehen. 

Nach einigen Überlegungen haben wir uns dann mit unserer lieben Freundin und Maklerin Stefanie zusammengesetzt und unsere Vorstellungen besprochen. 
Die Zusammenarbeit mit Maklern funktioniert hier etwas anders als in Deutschland, weil es üblich ist, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer einen Makler haben. Beide werden in Florida vom Verkäufer bezahlt, so dass man sich bei der Suche nach einem Objekt auch gerne einen erfahrenen Makler vor Ort an die Seite holt.
Weiterer Unterschied ist, dass nahezu jeder Makler auf jedes Objekt Zugriff hat. Man muss also nicht wie häufig in Deutschland schauen was der Makler im Inventar hat, sondern es steht einem der gesamte Markt offen.

So haben wir nach einigen Stunden der Recherche im Internet ein paar Objekte rausgepickt und in den kommenden Tagen unsere Favoriten auch besichtigt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das auch unbedingt erforderlich ist - schaut ein Objekt doch nie so aus wie auf dem Expose. Manche begeistern, manche enttäuschen. Und so hatten uns auch unsere Top Favoriten eher enttäuscht. Meist von der Lage bzw. der Umgebung, aber teilweise auch vom Preis.

Wichtig war uns ein Grundstück zu haben wo wir keinen direkten Blick auf den Backyard des Nachbarn haben (klassisches Reihenhaus-Schema). Bleibt also Präserve-View oder Water-View übrig. Für die Leser aus Deutschland: in Jacksonville lebt man überwiegend in sog. Communities welche durch eine Gesellschaft verwaltet werden. D.h. zum Einen gibt es recht viele Vorschriften wie gebaut werden darf, wie der Garten gestaltet sein muss, welche Farben das Haus haben darf, wann gemäht werden kann und so weiter.... hört sich spießig an und ist es auch. Der große Vorteil ist aber, dass alles top in Schuss gehalten wird und man immer das Gefühl hat in einem großen Park zu leben.

Um das Leben noch attraktiver zu machen haben diese Communities in der Regel Pool und Fitness Center, aber eben auch viele kleine Seen und Waldstücke wo man eben nette Grundstücke mit tollem Blick ergattern kann. Sowas wollten wir eben haben.

Auf dem Rückweg von einer Immobilie die uns gut gefallen hatte, aber leider eine schreckliche Stromleitung direkt am Grundstück hatte, fiel uns ein Objekt auf, was wir weiter unten auf der Liste hatten. Dort war an dem Tag zufällig open house (d.h. ein Makler ist vor Ort und man kann ohne Termin einfach reingehen und sich das Haus ansehen) und so beschlossen wir einmal durchzulaufen.

Manchmal hat man ja so ein Gefühl.... und hier war es so, dass wir beide rausgingen ohne wirklich etwas auszusetzen zu haben. Zudem war das Haus mit das günstigste was wir auf der Liste hatten.
"Das könnte es werden" waren wir uns einig.
Wir beschlossen dann uns das Haus ein paar Tage später nochmal anzusehen um herauszufinden, ob es nochmal "zoom" macht oder ob man nach der ersten Euphorie eher wieder ernüchtert rausgeht.
Gesagt getan und das Haus gefiel uns auch beim zweiten Mal total gut.
Es erfüllte einfach alle unsere Anforderungen: Wasser-Grundstück, ausreichend Platz, Küche mit Insel, Office für mich und genügend Platz für Kind und Hobby. Obendrein gibt es noch eine Doppelgarage und einen Bonus-Room, der wunderbar als Gästezimmer taugt. Das Schmankerl war dann noch ein zusätzliches Zimmer extra, was wir zwar jetzt nicht brauchen.... aber wer weiß!

Kurz darauf waren wir dann reif um ein Angebot für das Haus abzugeben. Das läuft hier so, dass man formell ein Angebot abgibt mit seiner Preisvorstellung. Um die Ernsthaftigkeit zu untermauern legt man ein Deposit nieder (Anzahlung) die man zurückbekommt, falls man den Zuschlag nicht erhält. Überlegt man sich es aber anders, ist das Geld futsch. Ich finde das eine prima Sache und hält Spaßbieter etc. fern.

Von unserer Maklerin wussten wir, dass die Verkäufer in der Scheidung stecken, was natürlich für den Käufer eine gute Situation darstellt. Hatten uns auch schon gewundert, denn das Haus ist Baujahr 2013 - also noch fast neu gebaut.

Wie es weitergeht dann in Kürze in Teil 2......


Song of the day: Our House - Madness





Donnerstag, 4. September 2014

Stuttgart in Bayern

Als ich heute morgen so in die Arbeit fahre und meinen Lieblingssender höre, stolpere ich über eine Werbung, die mich seitdem nicht mehr los lässt.

Es ist Jaxtoberfest in Jacksonville (http://jaxtoberfest.com) am 10. und 11. Oktober.
Wie witzig denke ich, bis ich die komische Stimme in der Werbung doch tatsächlich sagen höre, dass er Hans aus Stuttgart in Bayern sei. Ich fahre fast in die (nicht vorhandene) Leitplanke vor Lachen...

Als gebürtiger Schwabe (d.h. Regierungsbezirk Schwaben = Bundesland Bayern) weiss ich ganz genau was wo was liegt.

Nachdem inzwischen ein paar Stunden vergangen waren, liess mich der Gedanke dieses Fehlers nicht mehr los und erinnert mich so sehr an das Frankfurter Oktoberfest, welches im Radio auch immer mit "aufi geht's auf'd Wiesn" wirbt.
Da rege ich mich immer auf, weil "aufi" nun mal hinauf heisst. Müsste also richtiger Weise heissen "auf geht's". Mr. Smartass has spoken!
Das aber nur am Rande....

Kurzum - habe eben eine E-Mail an den Veranstalter geschrieben und mitgeteilt, dass ich als Deutscher diese Werbung peinlich finde und auf den Misstand hingewiesen. Bin mal gespannt, ob es eine Reaktion gibt und wenn ja welche (natürlich habe ich es in der gebotenen amerikanischen Höflichkeit geschrieben, don't worry).

Was meint ihr, Freitickets muessen da mindestens rausspringen, oder ;-)

In diesem Sinne.... ich muss immer noch grinsen über diese Werbung.

Ach so, bevor ich es vergesse: Jaxtoberfest ist hier mit so ur-bayrischen Klassikern wie Bratwurst eating competition, Wiener Dog races oder dem 5k Beer Run. Wer kann da zu Hause bleiben?

Oans, zowa, gsuffa!
Gleich mal schauen ob die Lederhose noch passt....

Song of the day: In Stuttgart steht ein Hofbräuhaus - Maxl Graf

Sonntag, 24. August 2014

Ein ganz normaler Feierabend

Es ist Hochsommer in Florida. Die Temperaturen sind extrem heiß, zumindest nach meinem Befinden. Wir sind so in den Mid-90's (bezieht sich auf Fahrenheit), also meist so um die 35 Grad Celsius. Heute haben wir mal tagsüber sogar die 100 geknackt - so muss sich ein Toast im Schlitz fühlen....
Der Alltag im Büro läßt mich nicht viel mitbekommen, weil ich zum Einen natürlich am Arbeiten bin und zum Anderen das Büro sehr stark runtergekühlt wird. Manchmal gehe ich 5min vor die Tür um mich aufzuwärmen.

Was immer wieder ein toller Ausklang eines langen Tages ist, ist der Besuch am Strand. Inzwischen machen wir das recht regelmäßig, nachdem wir schon so nah dran wohnen, dass wir nach der Arbeit nochmal kurz hinfahren und etwas spazieren gehen.
Das ist super schön weil man kommt schnell runter, erholt sich, sammelt Appetit und bekommt einfach gute Laune. Wenn die Sonne dann langsam untergeht ist es schön angenehm und man könnte Stunden einfach nur laufen.

Trotz der Tatsache, dass wir schon eine Weile hier sind und das regelmäßig machen, fühlt es sich immer ein wenig an wie Urlaub am Feierabend. Eine tolle Sache, die ich hier einfach mal erzählen wollte. Und weil es dazu auch nicht viel mehr zu sagen gibt, hier einfach noch ein paar Bilder.














Song of the day: 36 Grad - 2Raumwohnung

Geburtstagsvorbereitungen

Nachdem unsere kleine Maus ja bald Geburtstag hat, haben wir uns schon in die Vorbereitungen gestürzt. Nachdem es hier in den USA nicht alle Sachen gibt, die wir für unsere kleine Maus gerne hätten, bestellen wir manches in Deutschland und lassen es uns mitbringen oder schicken.

Besonders toll fand ich den jüngsten Service von Amazon.

Wir haben eine Kleinigkeit zum Baden und/oder für den Pool gesucht, und dabei eine schöne kleine Quietschente gefunden. Der Hammer - Lieferung kostenlos und weltweit.
Das wollten wir dann mal ausprobieren und haben das Entchen bestellt.



Und siehe da - eine beta Version von Amazons neuem Bestellsystem, wo man tatsächlich den Transport der Ware live verfolgen kann.
Ich bin so begeistert und beeindruckt, dass ich diesen tollen Service gleich mal hier in meinem Blog zeigen wollte.

Hier könnt ihr beispielsweise kurz sehen, wie Helene's neues Spielzeug im Hafen von LA verschifft wird. Unglaublich, oder?

Wir freuen uns schon sehr, wenn das Teil dann endlich bei uns ist und wir das erste mal damit spielen können.


Video von der Anlieferung 



Song of the day: Ententanz (und jetzt alle.......)

Sonntag, 17. August 2014

Happy Birthday Mama Annika

Sie hat Geburtstag, sie hat Geburtstag, yeah!!!

Alles Liebe zum Geburtstag an die beste Mami und Ehefrau der Welt von deinen Liebsten :-)


Song of the day: Happy Birthday

Freitag, 15. August 2014

Baseball verrückt

Baseball ist mein Sport hier in den USA. Ungewöhnlich, können doch die meisten Deutschen mit diesem Sport überhaupt nichts anfangen. Wenn man sich aber damit beschäftigt findet man irgendwann gefallen daran. Heute will ich mal ein paar Eigenschaften und Gründe aufzählen, was mir gut gefällt.

Der Sport ist der einzige Mannschafts-Ballsport der mir bekannt ist, der kein Zeit- oder Punktelimit hat. Dadurch, dass es kaum direkten Kontakt der Spieler miteinander gibt, ist auch wenig Aggression im Spiel. Das merkt man auch im Stadion. Ich war jetzt schon einige Male bei meinem Lieblingsteam, den Tampa Bay Rays und auch einmal hier bei unserem lokalen Team, den Jacksonville Suns. Die Atmosphäre ist sehr familiär und es ist alles sehr familienfreundlich. Hooligans oder radikale Fans sucht man vergebens. Da das Spiel etwas slow-paced läuft kann man sich gemütlich im Stadion bewegen, ohne dass man eine Menge verpasst. Alles in allem einfach sehr chillig und gemütlich.

Weiterhin gefällt mir, dass es ein sehr strategischer Sport ist bei dem es viel um mentale Stärke geht. Athletik steht nicht so sehr im Vordergrund und so ist einfach das Spielfeld mit vielen unterschiedlichen Typen gefüllt. Groß, klein, dick, dünn etc. - wenn ich mir heute Fussball anschaue (was ich unglaublich gerne mache) denk ich mir manchmal, wie diese Hungerhaken von Bundesliga Spielern durch den Tag kommen.... aber egal, off topic!

Schön zu sehen, dass häufig wenn ein Spieler auf Base kommt, ein kleines Schwätzchen mit dem Spieler der anderen Mannschaft gehalten wird. Im großen und ganzen sind die Spieler untereinander recht umgänglich miteinander.

Angenehm finde ich auch die 160 Spiele pro Saison, welche eine Mannschaft zu absolvieren hat. Man ist daher nicht so getrieben alles zu sehen und kann sich sicher sein, wenn man Zeit hat läuft auch ein Spiel.

Last but not least ist das Spiel auch etwas für Statistik-Freaks. Auch das gefällt mir, das macht die Spieler auch für nicht-Insider transparenter.

Die Jacksonville Suns sind übrigens ein Farm-Team der Miami Marlins - also dem großen Florida-Rivalen der Rays. Macht aber nichts, denn es ist wirklich nett zum hiesigen Baseball Ground zu gehen. Die Karten sind billig (wir hatten zuletzt nur 5$ pro Ticket bezahlt) und man bekommt ein ganz gutes Niveau zu sehen. So war das auch mit Helene ein toller Spaß, wenn gleich sie noch ein ganzes Spiel schafft (ca. 3h muss man da rechnen). Aber bei den Eintrittspreisen hat man auch kein Problem bei der Hälfte zu gehen. Hier ein paar Schnappschüsse von unserem letzten Besuch:

Los geht es natürlich mit den Cheerleaders!


Die Herren in Dottergelb sind übrigens die "unseren"


Merchandising! Ein Muss!


Besonders gefreut hatte ich mich im Juni, als mein Arbeitskollege und Freund Christian mit Familie in Florida Urlaub gemacht hatte und wir uns auf ein Spiel in Tampa verabredet hatten. Da wir zu der Zeit eh in Sarasota "Urlaub" gemacht hatten, liess sich das super kombinieren. Zuerst hatten wir einen schönen Tag mit den "Frauen" (er 2 Töchter und Frau, ich Tochter und Frau) und Abends war dann Männerzeit im Trop (so heißt das Stadion der Rays, das Tropicana Field; Tropicana ist eine Organgensaftmarke aus Florida).


Einmal quer durch das Trop


Autogrammstunde vor dem Spiel
(links der Star der Rays, Evan Longoria, rechts Catcher Jerry Sands)



It's time to play ball!


Ich könnte jetzt ja sagen, den hat er gefangen.... wäre aber gelogen ;-)

Wir hatten eine Menge Spaß, super Plätze und ein spannendes Spiel gegen die Baltimore Orioles. Am Ende hatte es nicht ganz gereicht für die Rays, aber beim nächsten Mal klappt das dann auch noch mit dem Ergebnis. Christian - bis zum nächsten Mal, es war mir ein Fest - gerne und immer wieder!!!

Amerika ist einfach sportbegeistert und ich bin mitten drin. Zum Leidwesen von Annika, aber wir finden immer einen guten Kompromiss :-)

In Kürze startet die Football Saison - ich bin schon total gespannt wie sich die Jacksonville Jaguars diese Saison schlagen. Eigentlich ein Team für die unteren Tabellenplätze, aber die zwei Siege in den Pre-Season Games lassen aufhorchen. Wir werden auf jeden Fall versuchen zu einem Spiel ins Stadion zu gehen und den Rest gechillt vom TV aus verfolgen.

Diese Woche hat mich mein Arbeitskollege Mike zum Fantasy Football eingeladen. Das ist eine Art Managerliga, bei dem man sich Spieler aussucht die dann für ihre Performance in den NFL Spielen Punkte erhalten. Sowas wie Kicker Managerspiel,  wer das kennt.
Natürlich mache ich mit, auch wenn ich insgesamt vielleicht maximal 5 Spieler kenne. Habe ja noch etwas Zeit bis zur Draht-Party: da trifft man sich und pickt sich der Reihe nach die Spieler für sein Team. Dazu wird fachsimpelt und es gibt ein paar Bier und Hotdogs.... I love it!

In diesem Sinne, genug Sport gemacht für heute.

Song of the day: Wild Thing - The Roxx (aus dem Film "die Indianer von Cleveland", im Original von den Troggs)




Dienstag, 5. August 2014

Autokauf die Zweite

Kurz nachdem wir die gute Nachricht erhalten hatten, dass ich den Job bekomme, war klar, dass wir ein weiteres Auto benötigen. Schließlich muss ich in die Arbeit kommen und Annika muss tagsüber mobil sein.
Natürlich hatten wir uns für diesen Fall entsprechend vorbereitet und schon wochenlang diverse Fahrzeuge im Internet recherchiert.
Die Frage war immer, holen wir einen kleinen Zweitwagen um schnell in die Arbeit zu rutschen oder etwas größeres, damit wir in jedem Fall flexibel sind mit Kind und Zubehör. Neu oder gebraucht, etc. pp....

Und dann hatten wir ja noch ein Budgetproblem - nachdem wir beim ersten Wagen etwas deutlicher unser Budget überzogen hatten, konnten wir nur noch weniger als erforderlich für den Zweitwagen aufbringen. Also stellte sich im Prinzip nur noch die Frage: eine alte gebrauchte Gurke holen oder etwas leasen/finanzieren? Letzteres war natürlich schwierig, weil ich ja noch gar nicht angefangen hatte zu arbeiten und unsere credit history noch nicht optimal war. Das wusste ich, weil mir kurz zuvor bereits zwei Kreditkarten abgelehnt wurden, allerdings nicht mit der Begründung, dass der creditscore zu schlecht ist, sondern aufgrund der zu kurzen credit history. Das blöde ist, dass dies der einzige Faktor ist, den man nicht beeinflussen kann. Von daher mussten wir zweigleisig planen, da wir nicht davon ausgehen konnten, dass wir ein Leasing oder eine Finanzierung bekommen.
Dennoch haben wir diese Variante vorgezogen, da wir auf der einen Seite ein nagelneues Auto bekommen und auf der anderen Seite unser Erspartes schonen - zumindest beim Leasing.

Der große Nachteil hier beim Leasing ist, dass die jährliche Laufzeit meist auf 12.000 Meilen beschränkt ist. Bei den Entfernungen in USA und speziell Jacksonville (merke: Jacksonville ist flächenmäßig die größte Stadt der USA) ist das schon eher knapp kalkuliert. Allerdings soll es ja nur der Zweitwagen werden und daher wäre Leasing für uns echt eine Option. Plus die Rate ist geringer, weil man das Fahrzeug nicht vollständig abzahlen muss. Plus ich muss mich nicht später um den Verkauf kümmern, was etwas ist was ich hasse wie die Pest.

Gegenüber dem Gebrauchtwagenkauf hat die Variante zudem noch den Vorteil, dass ich von unserem ersten Versuch schon abgeschreckt von vielen Gebrauchtangeboten war und ich mich mit Autos bzw. eher deren Wartung und Reparatur nicht gut auskenne.

Wir haben es dann letztlich auf zwei Marken / Modelle runtergebrochen, die wir dann auch unserer Priorität nach abarbeiten wollten.
Auf Nummer eins stand der Mazda 3. Ja, wieder eine Reisschüssel.... I know. ABER: den Mazda finden wir wirklich optisch sehr gelungen (in der Hatchback Variante), er hat in den USA eine der besten Statistiken (Pannen, Wiederverkauf, etc.) und hat in dem was wir gesehen haben mit Abstand die beste Milage (deutsch: Verbrauch). Zusätzlicher Vorteil: umklappbare Sitze, gutes Raumangebot und gute Ausstattungsmerkmale.
Platz zwei gehörte dem Ford Escape - ein schöner kleiner und kompakter SUV den wir schon als Mietwagen hatten. Sehr gut zu fahren und etwas geräumiger als der Mazda. Zudem haut Ford auch sehr gute Leasingangebote raus, daher auf jeden Fall eine Option.
Die deutschen Hersteller waren natürlich auch hoch auf der Liste, allerdings sind die preislich hier im Verhältnis zu den asiatischen Herstellern deutlich höher gepresst - zumindest was die Leasingkonditionen angeht. Außerdem ist die Modellpalette nicht identisch und so stehen zumeist nur  Sedans herum (das bedeutet Stufenheck) und wir suchten aber explizit einen Hatchback.

Da hier der Mazda Händler auch gleichzeitig VW und BMW hat hatten wir noch einen Vorteil ausgemacht: ganz wollten wir den Golf und den Jetta noch nicht begraben und so konnten wir bei Tom Bush Mazda VW BMW  den direkten Vergleich machen. Ich muss sagen, dass dies eine ziemlich gute Sache war, weil wir so neutral den Golf neben den Mazda legen konnten. Und mit unseren Anforderungen stellte sich schnell raus, dass der Golf hier in USA von Preis/Leistung nicht mit dem Mazda mithalten kann.

Nachdem wir eine Probefahrt gemacht hatten waren wir überzeugt: der Mazda paßt zu uns und wir versuchen unser Glück. Ford bleibt Backup, so können wir auch etwas bestimmter verhandeln....

Da ich weiß, dass auch viele Auswandet-Freunde und Interessierte den Blog verfolgen teile ich heute auch gerne mal ein paar Zahlen mit euch, weil ich weiß wie hilfreich es sein kann, wenn man sich mal irgendwo orientieren kann.

Der Autokauf in USA:
Der Autokauf funktioniert hier komplett anders als in Deutschland. Wo man sich in D eher ein Fahrzeug konfiguriert und viel Aufwand in die Auswahl der unterschiedlichen Optionen und Varianten steckt läuft das hier einfacher: der Händler hat eine breite Auswahl an Modellen mit unterschiedlichen Ausstattungen und Farben da. Von denen sucht man sich einen aus, fährt in Probe und wenn der gefällt nimmt man ihn am selben Tag noch mit. 3-6 Monate auf ein bestelltes Fahrzeug warten, hier im Normalfall undenkbar!
Das heißt natürlich auch, dass man nicht so viel Zeit verbringt mit Ausstattung und Farben und so weiter... man nimmt halt was da ist oder sucht bei mehreren Händlern bis man was gefunden hat.
Der Prozess geht eigentlich recht schnell, schließlich gibt es nicht so dramatisch viel zu entscheiden. Die Fahrzeuge sind alle schon recht ordentlich ausgestattet, so dass man auch gar nicht so viel Spielraum hat, was individuelle Wünsche angeht.
Wir hatten dann mit unserem Modell und inkl. Technologie-Paket die Wahl zwischen schwarz und schwarz - haben uns dann für letzteren entschieden.
Spaß beiseite - einer hatte helle, einer dunkle Sitze. Der dunkle sah besser aus und der Rest war identisch.
Besonders klasse finde ich bei Mazda übrigens den so genannten blind spot sensor - ein kleines Farbsignal im Spiegel, wenn sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel befindet. Betätigt man den Blinker gibt es noch eine akustische Warnung. Gerade hier in USA wo ständig links und rechts überholt wird und die Strassen idR mehrspurig sind ein echt nettes Feature.

Der Leasingvertrag:
Soweit waren wir uns schnell einig - muss dazu sagen, dass wir ja im Vorfeld recht genau festgelegt hatten, was wir wollen, von daher ging das dann auch zügig. Mit kleinem Kind im Gepäck hat man einfach nicht so viel Zeit von früh bis spät im Autohaus abzuhängen....

Die Preisverhandlung läuft normaler Weise hin und her... also der Verkäufer rennt zu seinem Manager, kommt mit einem Angebot zurück und so dreht man seine Runden.
Da mein Arbeitgeber aber einen Deal mit dem Hersteller hat gab es die Option, dieses pauschale Angebot zu nutzen. Letztlich war uns der Verkaufspreis auch egal, entscheidend ist die Leasingrate (ja in die fließt der Preis irgendwie ein, I know). Der MSRP lag dann am Ende so um die 22k - was denke ich schon ok ist.
Blieb aber noch die Frage - geben die uns ein Leasing oder nicht.
Wir haben eine Application ausgefüllt und ich hatte den sog. offer letter des Arbeitgebers dabei (das ist ähnlich dem Arbeitsvertrag) aber wie gesagt noch keinen Tag gearbeitet und auch noch nix verdient. Unser sales agent hatte sich eine Stunde Zeit erbeten und so sind wir in der Zeit was essen gegangen.
Als wir zurückkamen die Botschaft: ja, wir können leasen, aber die Rate ist doch etwas höher als ursprünglich gedacht. Hat mich jetzt nicht geschockt und auch nicht gewundert. Wir lagen noch im akzeptablen Rahmen und so haben wir nicht lange gefackelt. Für 278 USD konnten wir also einen nagelneuen Mazda 3 leasen, bei einem downpayment von 1.400 USD.

Die KFZ Versicherung:
Tja, das muss ich einfach mal erzählen, weil ich es unfassbar praktisch finde.
Wir sind ja bei esurance und dort haben wir dann noch vom Dealer aus an einem PC uns eingeloggt, das Fahrzeug hinzugefügt und sofort eine Rate erhalten. Diese war dann netto knapp 70USD höher - trotz erhöhtem Versicherungsschutz, der bei Leasing erforderlich ist. Noch eben die Unterlagen an den Dealer faxen lassen und wir waren ready to go.
Der Preis war einfach so billig, weil hier sofort entsprechende Bundle-Rabatte in Kraft treten die Hauptsächlich unser erstes Fahrzeug billiger machten - deswegen sage ich auch netto 70 USD.
Wir zahlen jetzt bei "full coverage" für beide Autos Vollkasko ca. 230 USD im Monat. Immer noch nicht wirklich billig, aber man darf nicht vergessen, dass wir hier auch mehr oder weniger als Einsteiger gewertet werden. Beim nächsten Term (Laufzeit hier immer 6 Monate) wird es dann wieder günstiger....

Fazit:
Autokauf ist eine schnellere Sache hier mit weniger Entscheidungen und Auswahlmöglichkeiten. Ich weiss nicht in wie weit man auch ein Auto konfigurieren und bestellen kann - sicherlich möglich, allerdings eher unüblich. Die Lots der Dealer stehen voll mit vorkonfigurierten Fahrzeugen - man braucht nur zuzugreifen. Versicherung easy.
Und das Leasing - ich muss sagen, dass ich überrascht und natürlich begeistert war. Ohne überhaupt einen Cent verdient zu haben konnte ich schon ein Auto leasen. Prima Sache!

Und hier ist das Resultat unseres Autoshopping-Samstags:



Wie bereits gesagt nutzen wir den Mazda als Zweitwagen und so kam es, dass ich erst einmal tanken war. Wir kommen ca. 2 Wochen mit einer Tankfüllung aus, welche uns beim momentanen Spritpreis hier in Jax (3,31USD/gal) ca. 34 USD kostet. Gepaart mit der Versicherung sind das schon extrem niedrige Unterhaltskosten - ich bin begeistert.

Song of the day: Gerhard Polt - Der Leasingvertrag (Video)

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